Phönixflug

Phönix flattert mit den Flügeln
Lodernde Augen, feuriger Glanz
Ausgezehrt, schlackert er drüben
Fängt Feuer, es verzehrt ihn ganz 

Nichts bleibt außer ein wenig Glut,
Fort ist der Körper, das warme Blut
Doch nicht, dass er nun in Frieden ruht,
Aus verbrannter Asche eine neue Brut. 

Für einen Phönix, schöner als zuvor,
Das ist sein Geheimnis, so lebt er fort:
Ἐκ τῆς κόνεώς μου ἀναγεννῶμαι.
(Ek tis koneos mu anagennomai)                                                                              
 

In Christo auferstanden, lebt er ewig,
lebt er frei!

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Der Hahn kräht

Der Hahn kräht, die Tauben gurren und flattern mit den Flügeln
Die Sonne geht langsam auf hinter bewaldeten Hügeln.

Eine Kirchturmuhr läutet blechern
Ein Motorrad knattert angestrengt die Straße entlang.
Zwei Lichtstrahlen fallen durch Buchenblätter,
Von ferne grummelt ein dumpfer, warmer Klang.

Das Fenster steht halb offen,
Und halb geschlossen ist es auch.
Das Tal daneben liegt halb im Nebel,
Dicht wie Rauch eines Waldbrandes,
Wie es in Australien der Fall ist.

Es ist kühl, der Tau lässt den Boden glitzern und das nasse Gras.
Bald ist es heiß, und wenn es nicht gewittert,
Erinnert das Gras sich verbittert, wie es damals doch war,
Als es auf dieser Welt noch Wasser gab.

Die Menschen sind fast alle im wohlverdienten Urlaub,
Einen kurzen Moment nur kann man fast  denken
Wenn man denn an die Kraft der Natur glaubt,
Diese sei noch nicht völlig verloren mit uns Menschen.
Und doch ist sie ganz anders geworden…

Der Hahn kräht, die Tauben gurren und flattern mit den Flügeln
Die Sonne geht langsam auf hinter bewaldeten Hügeln.

Sonett XIV

Sonett XIV

Ist dir hier auch manchmal alles zu viel?

Wir wissen nicht, wo wir gerade stehen,

In dem grellen, völlig überdrehten Spiel.

Lass uns beide weg von diesem Ort hier gehen.

 

An dem sich alles nur noch wie wild im Kreis dreht,

Bis uns schwindlig wird, verzerrt wie auf Ecstasy,

Sich immer schneller, aber nicht nach vorne bewegt.

Die Steppenskizze aus Mittelasien, ich vermisse sie.

 

Die Ruhe in der Atacama-Wüste; heiße Harmonie,

Das Vielgetöne der Urwaldklänge, deine Sinfonie.

Doch auch das ist kein Ort ohne tickende Zeit.

 

Nur eine Reise berührt vielleicht die Unendlichkeit,

Streift sie mit Federflügeln entschieden bereits,

aber sanft und leicht, um ganz genau zu sein.

 

Wenn unsere Gedanken Luftschichten gleich  zerfließen,

befreit ineinander treiben.

Kleine Geschichte

Geschichte zwei er Männer

Die beiden Schächer,

die mit Jesus zusammen gekreuzigt worden sind,

haben die Phantasie der Christen

immer schon beschäftigt.

(Hans Förster)

Es hat sich so zugetragen. Oder so ähnlich. Oder aber überhaupt nicht. Wer kann es wissen? Der oder diejenige ist sicher tot. Auf jeden Fall lässt sich da nichts mit Sicherheit sagen, obwohl das Drumherum zu den Bestsellern dieser Welt gehört. Wer waren sie? Man weiß es nicht.

Aber es könnte so gewesen sein.

Es begab sich in den Iden des zehnten Monats 740 ab der Gründung der Stadt, dass zwei Jungen geboren wurden, die auf den ersten Blick überhaupt nichts gemein hatten und deren Lebenswege sich dennoch aufgrund wiederholter Winke des Schicksals immer wieder kreuzten. Der erste, der Gaius Maximus Laetus gerufen wurde, stammte aus hohem römischem Adel, der sich aufgrund politischer Spannungen in Palästina niedergelassen hatte. Der zweite hingegen war Jude, Sohn eines Fischers. Sein Name war Judas Matthias. Die Zeit verging, aus den Säuglingen von einst wurden Kinder, wurden junge Männer. Gaius Maximus erhielt eine anständige Bildung, wie es sich für den Sohn eines Flottenführers gehörte. Neben Kampf, Tanz und dem ebenso unerlässlichen Lyraspiel wurde er auch in Griechisch, Rhetorik und Mathematik unterrichtet, wohingegen Judas schon bald mithelfen musste und mit seinem Vater auf den See Genezareth hinausfuhr. Dabei stellte sich bald heraus, dass beide übermäßig begabt werden. Judas wurde bald schon zum Mittelpunkt des Dorfinteresses, als er bei einem Wettbewerb im Tagesverlauf die meisten Fische fing, während Gaius bald schon stärker wurde als sein Vater und diesen beim Fechten schlug. Auch wurde erzählt, dass er bereits im Alter von 14 Jahren eine Rede auf dem Marktplatz von Jerusalem hielt, die nach Ansicht der überraschten Anwesenden von niemand anderen als Demosthenes ersonnen sein konnte. Insgesamt konnten die Eltern stolz sein, auf ihre fleißigen, strebsamen Jungen.

Aber zwei gegensätzliche und sich doch sehr ähnliche Eigenschaften stießen bei Ihnen auf keine Gegenliebe. Trotz umfassender Ausbildung interessierte sich Gaius immer mehr für die jüdische Kultur, wohingegen er eine immer stärkere Abneigung gegenüber seinem Grammatik- und Sportlehrer entwickelte. Es wurde die Geschichte überliefert, in der er eines Tages nach Hause kam und dabei rief: ‚‚Vater, Vater, ich hab ein Chanukka gefunden‘‘. Dazu sei dem Vater nichts mehr eingefallen als ihn aller Öffentlichkeit zu watschen. Daraufhin erwähnte er nie mehr in dessen Dasein die jüdische Kultur. Judas dagegen vertiefte sich immer mehr in die römische Kultur und ließ sich letztlich sogar Flavus nennen, was die Leute im Dorf gegen ihn aufbrachte. Dagegen wurde er geschäftlich immer erfolgreicher. Obwohl ihn die Römer noch manchmal argwöhnisch beobachten, mussten sie zugeben, dass sein Latein fehlerfrei war, was in den östlichen Provinzen als ziemlich ungewöhnlich gelten durfte. So war es ihm möglich, auf dem Marktplatz Jerusalems zu handeln und mit der Zeit viele Talente anzusammeln, bis man ihn als einen jungen Crassus bezeichnete.

Vom Charakter her soll Gaius ein cholerisches, aufbrausendes Wesen besessen haben, wohingegen Flavus eher ein melancholisches Gemüt nachgesagt wurde. In Zwischenzeit hatte Gaius sich mit Philosophie beschäftigt und zu dem Ergebnis gekommen, dass er Epikureer werden wolle, was wohl am besten zu seinem Charakter passen würde. Flavus dagegen ließ sich schwarze Galle abzapfen. Obwohl er bei der Operation fast starb, änderte sie seinen Charakter nicht im Geringsten.

Doch dann kam der Tag, wahrscheinlich im Jahr 759, als Gaius und Flavus auf dem Marktplatz einen Philosophen trafen. Ganz entgegen ihrer Gewohnheiten ließen sie sich von diesem barfüßigen, bärtigen Mann in ein Gespräch verwickeln. Dort wurde ihnen erklärt, dass Zenons Lehren die des Epikur in den Schatten stellten und keine Befriedigung durch materielle Dinge erreicht werden kann, sondern nur durch Selbstbeherrschung. Während Gaius sofort von diesen Ansichten überzeugt war, spottete Flavus über den selbsterklärten Philosophen und gewann auch eine Gruppe von Zuhörern.

Um zu beweisen, dass Gaius es auch ernst meinte, versprach er bei den römischen Göttern, sein altes Leben zurückzulassen. Sein Hab und Gut, Familie und Freunde. Daraufhin meinte Flavus spöttisch, dann könnte er ja gleich ein jüdischer Befreiungskrieger werden, die Juden seien doch auch nicht selbstbestimmt. Zu seiner Überraschung hob dieser daraufhin zu einer feurigen, gewaltigen Rede an, in der er genau dies ankündigte. Jeder Mann, der für die Freiheit aller Juden antreten wollte sollte sich ihm, Isaak dem Sikarier, anschließen. Die Leute, die schon durch eine Hungersplage gebeutelt waren und nun auch noch Abgaben leisten sollten, folgten im mehr als begeistert.

Flavus war dadurch so irritiert, dass er einfach wortlos ging. Wenn er gewusst hätte, was er damit ausgelöst hätte, hätte er es sich nochmal überlegt. In den folgenden Jahren wurde die Gruppe von Isaak dem Sikarier immer gefährlicher, bis selbst der Statthalter Palästinas darauf aufmerksam wurde. Sie sollten bis zum Bar Kochba Aufstand die gefährlichste jüdische Widerstandsgruppe bleiben.

Für Flavus dagegen schien vorerst auch alles gut zu gehen, bis eines Tages in Zusammenhang mit Isaak eine Weisung des Statthalters erging, Handel mit jüdischstämmigen Händlern wegen Begünstigung der Feinde Roms nicht mehr zuzulassen. Erstaunlicherweise durfte er aufgrund seiner Kontakte bis zum Statthalter sein Hab und Gut behalten, dass bei anderen eingezogen wurde.

Die Jahre vergingen, der Statthalter wechselte und kündigte nach einem misslungenen Anschlag auf eine römische Kohorte an, nun strenger durchzugreifen. Flavus, der damit nicht gerechnet hatte, verlor alles. Die Selbstzweifel, die er davor schon gehabt hatte, verstärkten sich, dazu kamen Depressionen und Wut. Er fing an Stimmen zu hören, war doch eigentlich ein gesunder Mann. Nur schwierig war es ihm möglich, für Frau und Kinder aufzukommen, wo er weder etwas besaß noch etwas tun konnte.

Isaak, der inzwischen schon Jahrzehnte sich in Gebirgen versteckt hielt, einst selbstbewusst und voller jugendlichem Elan im Kampf für eine gute Sache, wurde mit der Zeit zunehmend zynisch, unnahbar und verbittert. Bis er es nicht mehr aushielt. In keiner Schlacht geschlagen, war er innerlich bereits völlig zerschlagen. Er wollte sich stellen, ohne Rücksicht auf alle anderen. Inzwischen hing er den Lehren des Kallikles an, der Amoralität als höchste aller Gesetze ansah.

Inzwischen hat Flavus noch einmal versucht, den Statthalter von der Nützlichkeit jüdischer Händler zu überzeugen. Als das endgültig abgelehnt wurde, hielt er kurz inne und ließ dann eine Klinge blitzen. Doch bevor er dem Statthalter auch nur ein Haar krümmen konnte, wurde er zurückgehalten. Genau in diesem Moment kam ein Mann herein, mit wehendem Mantel. Er lacht trocken über diesen lächerlichen Versuch eines Anschlags und stellt sich als Isaak der Sikarier vor. Im Gegensatz zu dem Pirat de Pompeius bekommt er jedoch keinen Preis sondern soll mit Flavus hingerichtet werden. Das stört ihn nicht weiter, weil ihm schon vorher bewusst war. Dieser jedoch bereut seinen Ausbruch auf das Übelste, obwohl es viel zu spät ist, daran noch etwas ändern zu können.

Und so kommen sie beide an eine Stelle, die als Schädelstätte (Golgatha) genannt wird, beide wissend, was sie erwartet. Gleichwohl gehen sie den selben Weg, aber ungleich in ihrer Art, denn Flavus schlurft, gebeugt, langsam, gequält. Isaak steht aufrecht, wachsam, lächelt die Wachsoldaten an und setzt bei Wetten für den Zeitpunkt seines Ablebens auf sich selbst. Dann bekommen sie am Rande mit, dass da noch jemand drittes kommen soll. Ein Justizirrtum wahrscheinlich, aber woher soll man das schon wissen?

„Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdienen; dieser hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Das waren nur ein paar Gedanken, natürlich werden wir das nie erfahren 😀

Was bringt Menschen sich so zu verhalten, wie sie sind?

Umwelt (Georg Büchner)?

Gene (seit Francis Crick etc.)?

Prädestination (Johannes Calvin) ?

Evolution (Charles Darwin)?