Phönixflug

Phönix flattert mit den Flügeln
Lodernde Augen, feuriger Glanz
Ausgezehrt, schlackert er drüben
Fängt Feuer, es verzehrt ihn ganz 

Nichts bleibt außer ein wenig Glut,
Fort ist der Körper, das warme Blut
Doch nicht, dass er nun in Frieden ruht,
Aus verbrannter Asche eine neue Brut. 

Für einen Phönix, schöner als zuvor,
Das ist sein Geheimnis, so lebt er fort:
Ἐκ τῆς κόνεώς μου ἀναγεννῶμαι.
(Ek tis koneos mu anagennomai)                                                                              
 

In Christo auferstanden, lebt er ewig,
lebt er frei!

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In der S-Bahn 

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Fenster, draußen Landschaft
Zieht im Rausch vorbei
Drinnen: Frau, die anschafft
Fast leeres Abteil

Süßer Duft,
Parfüm und Schweiß
Atem beschlägt die Fenster
Innen kalt und außen heiß

Leute schweigen
Man versteht’s nicht
Denn sie schweigen nur chinesisch

Blicke schweifen
Erwarten eher wenig
Und verlieren sich für ewig

Ewigkeit schon lang vergangen
Ein Reh springt vor den Zug
Das Reh hat es ganz gut überstanden

Doch tot liegt dort der Zug
Warum hat ihn niemand aufgefangen?
Auf dass er dort in Friede ruht.

Aus dem Tagebuch eines Irren

Was bin ich für eine Person?

Hasse zwar die Konfrontation,

Doch was hilft das alles schon?

Wer kann mich schon klonen?

 

Würde mich gerne mal begegnen,

Als ein völlig fremden Menschen,

Mich selbst ganz in vivo erleben,

Mit der Sicht und dem Verständnis.

 

Wäre dann zuletzt mein Eingeständnis,

Dass es mir an allem unendlich fehlt?

Oder wäre ich dennoch etwa beseelt,

Weil du, nein ich, mich selbst verstehst?

 

Es verfolgen unsren Geist wirre Gedanken,

Sie kichern irre, in mir drinnen gefangen.

Vielleicht sind wir ja sogar schizophren,

Vielleicht hat es sonst keiner gesehen.

 

Vielleicht will ich nur weiter gehen,

Während alle anderen weiter gehen.

 

Der Hahn kräht

Der Hahn kräht, die Tauben gurren und flattern mit den Flügeln
Die Sonne geht langsam auf hinter bewaldeten Hügeln.

Eine Kirchturmuhr läutet blechern
Ein Motorrad knattert angestrengt die Straße entlang.
Zwei Lichtstrahlen fallen durch Buchenblätter,
Von ferne grummelt ein dumpfer, warmer Klang.

Das Fenster steht halb offen,
Und halb geschlossen ist es auch.
Das Tal daneben liegt halb im Nebel,
Dicht wie Rauch eines Waldbrandes,
Wie es in Australien der Fall ist.

Es ist kühl, der Tau lässt den Boden glitzern und das nasse Gras.
Bald ist es heiß, und wenn es nicht gewittert,
Erinnert das Gras sich verbittert, wie es damals doch war,
Als es auf dieser Welt noch Wasser gab.

Die Menschen sind fast alle im wohlverdienten Urlaub,
Einen kurzen Moment nur kann man fast  denken
Wenn man denn an die Kraft der Natur glaubt,
Diese sei noch nicht völlig verloren mit uns Menschen.
Und doch ist sie ganz anders geworden…

Der Hahn kräht, die Tauben gurren und flattern mit den Flügeln
Die Sonne geht langsam auf hinter bewaldeten Hügeln.