Johann Sebastian Bach

Wenn die Rede auf Musik kommt, hat jeder ja seine ganz eigenen Geschmäcker- und das ist auch gut so. Einerseits mag die Frage: “Und, was für Musik hörst du so?“ nicht gerade die innovativste sein, und, wenn sie auf ein Musikgenre eingegrenzt werden soll, für viele nicht einfach zu beantworten; andererseits denke ich, dass gerade der Musikgerschmack viel über das Wesen einer Person Aufschluss zu geben vermag.

Häufig kommt aber als Antwort darauf: “Alles mögliche.“, aber ist dem den wirklich so? Ich denke, dass das nur sehr selten der Fall ist. Selbst wenn man Musik mit Texten in vielen Sprachen und vielen verschiedenen Stilen hört, irgendwo ist man doch immer mehr zu hause als wo anders. Für mich persönlich habe ich herausgefunden, dass Bach für mich unverzichtbar ist- in erster Linie unser Kandidat Johann Sebastian, wobei der Rest der weitläufigen Familie ja auch fleißig in dieser Richtung beschäftigt war. Ich liebe die romantischen Komponisten, entspanne zu brasilianischen Liebesliedern, fühle mich bei 2pac wie ein waschechter Thug, bei Scott Joplin in der Zeit zurückversetzt und grüble über die Texte italienischer cantautori, deutscher Liedermacher und französischer Chansonniers; noch mehr über die Musik von Satie und co. Aber Bach hat sich bei mir durchgesetzt- gegen jüngere Konkurrenten, gegen Leute mit besseren Frisuren – und welche, die nicht aus dem heutigen Ostdeutschland stammen. Gibt es für euch auch so jemanden? Nicht nur in der Musik, sondern allgemein.

P.S. Ich frage mich ja noch immer, ob Bach überhaupt Deutscher war. Wie kann ein Deutscher denn überhaupt 20 (!) Kinder haben, wenn er doch zum “europäischen Platzhaltertyp“ (Bernd [sic!1!] Höcke) gehört? Muss wohl Afrikaner gewesen sein.

ὁ ὀστρακισμός; Scherbengericht

Ich habe ja gehört, dass die Kandidaten für die Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten durch die Bank beliebt sind.

Was da wohl passieren täte, wenn man ein Scherbengericht anordnen würde?

Was für eine Vorstellung: Jeder wahlberechtigte Amerikaner, der mitmachen will, schickt keine, eine oder zwei Scherben ein. Wenn es dann ein Quorum- sagen wir mal 55% der Stimmen- gäbe, und wir einmal annehmen könnten, dass jeder, der derzeit “kein gutes Bild“ von Clinton respektive Trump hat, dementsprechend nichts gegen eine 10-jährige Verbannung einzuwenden hätte…

… Dann säßen bald Hillary in den Philippinen bei Rodrigo Duterte:   “Fahr zur Hölle, du verdammte Hurentochter“ und Trump in Mexiko.  Dort wird man sich dann wohl glücklich schätzen können, dass er großzügigerweise mit seinen Steuergeldern “die Mauer“ mitfinanziert. Vielleicht kommt er dann ja gar nicht mehr zurück.

Aber so- Dann halt nicht.

´A verità (Die Wahrheit)

Hallo an alle,

Ich wollte ein neapolitanisches Lied mit euch teilen, das mich ziemlich berührt hat. Ja, das ist Neapel und Umgebung. Lied gibt es leider nur auf Spotify oder zu kaufen, daher kein YouTube Link. Es ist vom italienischen Rapper Rocco Hunt auf seinem Album ‘A verità das gleichnamige Lied mit Enzo Avitabile (dessen Textteil ich leider nirgendwo hab ausfindig machen können). Es handelt von einer Schilderung der Probleme Süditaliens und insofern auch um Italien als Ganzes. Es ist in Neapolitanisch geschrieben.

‘‘Sti scole so‘ fraciche stanno cadenno ‚e mura nun mancano ‚e talenti ancora peggio mancano ‚e strutture. Stammo in fuorigioco ‚a soluzione è a te ne j da lloco te chiagne ‚o core si nu frate se perde int’a droga.’’ Diese Schulen sind brüchig, die Gemäuer stürzen ein, es fehlen nicht die Talente, es ist noch schlimmer, es fehlen die Strukturen – wie kann das sein? Wir stehen im Abseits und es gibt keine Lösung hier vor Ort, dein Herz beginnt zu weinen, schon wieder nahmen die Drogen einen unserer Brüder fort.

‚‚’o Stato nun fa niente c’hanno abbandonato. Dint’a trent’anne ancora n’hanno fatto l’autostrada. Parlamme d’e straniere e simmo pronti a fa na predica ma nun pensammo a quanno simmo gghiute noi in America. Vedo ‚a malinconia dint’a l’uocchie e nu criaturo niro ch’e mosche ’ncuollo c’a famme all’uocchie ca t’accire’’  Der Staat handelt nicht, man hat uns allein gelassen und verlassen, seit dreißig Jahren warten wir auf die einzige süditalienische der italienischen Autobahntrassen (Autostrada A3 Salerno- Reggio Calabria) Wir reden über Ausländer, und sind bereit ihnen ein Predigt zu halten, aber denken nicht daran, wie unsere Vorfahren sich nach Amerika abseilten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Auswanderung umfangreichere Artikel in der italienischen [enthält Daten vom AIRE, zentralen Ausländerregister] und in der englischen Wikipedia). Ich sehe die Hoffnungslosigkeit in den Augen eines schwarzen Kindes, die von Fliegen bedeckt sind, weil der Hunger diese Augen töten will.

‘‘Tene ´e cumpagne ca ´a diec´anne stanno c´o fucile ma già so fortunate perché là a diec’anni non c’arrivi.  ´A Regione d´a munnezza piscature ´e rezza a quatto ´ncopp ´o mezzo pensa che so cresciuto ambresso.’’ Ich habe Freunde, die mit zehn Jahren schon mit schon mit dem Gewehr sind, und doch sind die schon die Glücklicheren, weil zehn Jahre schon viel wert sind, es sind Gegenden, bei denen zehn Jahre gar nicht weit her sind.  Die Region des Abfalls, im Fischernetz mit über Viereinhalb, denkt dran,  wie schnell ihr bei uns aufgewachsen seid.

‘‘E quante guaglione gghiuto ´n cielo senza salutà ma chi more campa dint´o core ´e chi nun po´ scurdà’’ Und wie viele Jungs sind ohne Abschied in den Himmel gegangen und mussten sterben, aber wer stirbt wird und bei uns im Herzen behalten und kann nicht mehr vergessen werden.

Refrain (2x)„´A Verità ogni ommo ´n coppa ´a chesta terra vo la verità. L’ommo è ignorante a credere c´a terra è ´a soja distrugge ´e piante pe´ fa carte e ´ncopp´e carte scrive ´a storia.’’ Die Wahrheit ist, dass jeder Mensch auf dieser Erde die Wahrheit wissen will: Der Mensch ist ignorant und glaubt, ihm sei die Erde untertan. Er zerstört die Pflanzen, macht Papier daraus, und schreibt darauf die Geschichte auf.

‘‘Je prego a Dio e a fortuna ´a gente mmiezz´a via a stessa fortuna d’a mia
te stress´a vivere accussì.’’ Ich bete zu Gott und wünsche den Leuten, die mir auf der Straße begegnen, genau mein Glück im Leben. Genauso ein Stress eben.

‘‘E ´sta bandiera nun ce serve perché n´ce rappresenta noi nun simmo na nazione. Je cancellasse ´o Parlamento e o Presidente d’o Consiglio nse ne fotte d´e famiglie
chi tene a carico tre figlie ´o stipendio n´o piglia nse ne fotte d´o studente ca s´impegna pe´ j a scola nse ne fotte e l´istruzione
pe studià s´adda j fore.‘‘ Und diese Fahne (die Italienische) brauchen wir nicht, weil sie uns hier nicht repräsentiert, sie uns nicht wichtig ist. Wir sind keine Nation im Moment, ich würde es auflösen- das Parlament.  Und den Präsidenten des Ministerrates (Regierungschefs Italiens) erst recht,  der sich nicht um die Familien schert, mit keinem einzigen Gesetz. Wer drei Kinder unterhalten muss und keinen Lohn verdient, wird von ihm gnadenlos versetzt, und auch der fleißige Schüler und Student, der lernt und begeistert in die Schule rennt, ist dem Herrn nichts wert. Und wer außerhalb wohnt, ist für ihn wohl selbst ein Idiot.

‚‚Danno cchiù importanza all´economia, a finanza
vonno sapé tutt´e cazzi e traseno int´e cunt´a banca.
Comm´è co Sud Italia nun c´arriva ´a freccia rossa?
Comm´è ca p´a Sicilia nun hanno fatt’o ponte?
Pe´ mme n´esiste Italia fino a quando esiste ´a Padania
nun è ca so razzista so mill´anne ca so schiavo.’’

Schwerpunkte werden  schon gesetzt –bei Banken, den Finanzen und dem ganzen Kommerz. Sie wollen jeden Mist dort genau wissen und greifen einfach überall ein.           Warum kommt die ‚‚freccia rossa‘‘ (it. Schnellzug) nicht in den Süden Italiens, wie kann das sein? Und die Brücke nach Sizilien (https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCcke_%C3%BCber_die_Stra%C3%9Fe_von_Messina ) haben sie auch nicht gebaut, was ist das eigentlich für ein Karnevalsverein? Für mich kann Italien nicht existieren, solange es Padanien gibt. Ich bin kein Rassist, aber seit tausend Jahren Sklave (Anspielung auf die andauernde Unterdrückung Süditaliens im Laufe der Geschichte, insbesondere Sizilien und Neapel), warum erkennt ihr das nicht?

‘‘´a gente nun c´a fa cchiù a piglià solo batoste. ´A colpa è a vosta: nun credimmo dint’a bandiera verde bianca e rossa! ’’ Die Leute schaffen es nicht mehr, nur die schweren Schmerzen immer weiter zu erleiden.  Und schuld daran seid ihr an unserer Pein und Not. Wir glauben nicht mehr an diese Fahne: grün-weiß-rot.

Refrain (4x)

Flag_of_Padania.svgflagge-italien 

Haben wenig mit dem Mezzogiorno zu tun- Padanien und der italienische Staat. 

Hat viel mit Neapel zu tun (leider): http://www.sueddeutsche.de/politik/italien-patenkinder-1.2677999

Terror? – aus gegebenem Anlass

München, 22.07.2016 – von einem Moment auf den anderen, völliges Chaos. Fangen wir noch mal von vorne an. Am Hbf., das übliche Treiben.  Eine Durchsage. Was wird nun kommen, ist die U2 wieder mal im Tunnel stecken geblieben? Irgendeine Weiche ist wieder kaputt, nächster Zug fährt 2018? Nein. Keines von dem: ‚‚Der U-Bahnverkehr ist ausgesetzt. Anweisung der Münchner Polizei‘‘ Seltsam. Leute schauen verwirrt, irritiert, keiner kann das Gesagte wirklich richtig einordnen. Die ersten ergeben sich bereits ihrem Schicksal und wollen ein anderes Verkehrsmittel nehmen, andere bleiben noch und hoffen, dass das bald aufgehoben wird. Geisterzüge brettern vorbei. Zeit zu gehen.

Hochgegangen, mit einem Ohr der immer selben Durchsage zugehört. Moment, hat der gerade gesagt, dass nun auch Busse und Trambahnen nicht mehr fahren? Muss ein Irrtum sein, inwiefern könnte das zusammenhängen? Verwandte aus Italien schreiben. Warum? Die schreiben doch sonst nie. Ob ich sicher sei? Keine Ahnung, ich weiß ja nicht mal, was los ist. Unterwegs zum Stachus, etwas konsternierte Leute begleiten mich, andere laufen zurück- Auf halben Weg rennen uns paar aufgebrachte Frauen entgegen, der Rest betrachtet sie wohl eher befremdet als panisch und beunruhigt. Allerdings – zum Stachus kommt man nicht mehr. Polizist weist höflich (einige), weniger höflich (andere) daraufhin, dass dort gerade eine Operation am Laufen ist. ‚‚Aber kann man da echt nicht mehr hin? ‘‘ ‚‚Wenn’st aa nua oamai zuhören dadst, zefix! Hier geht nix, hast mi? ‘‘

Sehr ungewöhnlich, ich habe noch nie zuvor schwarze Polizei-BMWs mit Polizisten darin gesehen. Ach, Moment, die tragen ja Maschinengewehre. Dann ist ja schlecht. Die ersten Hubschrauber kommen. Langsam werden die Leute doch etwas nervös, die meisten telefonieren, jemand kauft sich aber erst mal ein Eis. Den Bettlern ist das alles egal. Nichts destotrotz, wenn ein Fußgänger auf dem Fahrradweg steht, wird erst mal gegrantelt. Was jetzt? Hbf. ? Ne, das wird nichts mehr, der soll evakuiert werden angeblich. Was ist hier überhaupt los? Schulterzucken. Leute bewegen sich gemächlich die Schwanthalerstraße entlang. Shishabesitzer verteilt Süßigkeiten an Kinder, nett.  Ein bisschen weiter, eine Menschentraube. Ein Fernseher? Ja, ein Fernseher. Schießerei am OEZ. Angeblich auch am Stachus, am Odeonsplatz, am Isartor.

Seltsam, am Stachus war doch nichts? Oder etwa doch? Egal, weiterlaufen. Inzwischen einige Leute verstört, andere wirken nicht besonders beeinträchtigt. Jetzt an der Donnersbergerbrücke, alles wie leer gefegt. Durchsage, dass man die Brücke meiden soll, hat wenig Effekt. Die Leute, die unterwegs sind, stört das gar nicht. So, kurze Pause. Nachdenken. Was ist überhaupt los? Erste Leute schreiben schon. ‚‚Wo bist du? ‘‘ ‚‚Marcello, lebt du nicht ‘‘ Rechtschreibung kann wohl lebensbedrohlich sein. Wird aber schnell korrigiert zu: ‚‚Marcello, lebst du noch? ‘‘ Ja, ich schon. Aber anderer Gedanke: Zwei Freunde von mir arbeiten regelmäßig dort, direkt neben dem Kaufhof. Das könnte ernst sein. Nein, die waren heute nicht da. Puh, das war knapp. Werde auf Englisch angesprochen, ob ich englisch könne. Ja, net perfekt, aber basst scho‘.  Wie kann ich helfen? Ja, sie waren in einem Hostel am Hauptbahnhof, das wurde geräumt, welche Verkehrsmittel könne man von hier denn nehmen? Zum jetzigen Zeitpunkt leider keine. Naja, ihren Humor haben sie nicht verloren: Also, alles in allem können sie sich ja nicht beklagen. Der Verkehr hier in München ist an 2 von 3 Tagen gefahren, dass sei immerhin 100% mehr als es bei ihnen zu Hause  üblicherweise der Fall wäre. Schon sind sie wieder weg.

So, man holt mich ab. Auf dem Heimweg alles ziemlich leer, nur Fußgänger unterwegs. Schauen wir mal, was man weiß. Letzten Endes wird klar, es waren vermutlich nicht ‚‚drei Täter mit Langwaffen an verschiedenen Orten‘‘, sondern ein 18-jähriger Deutsch-Iraner mit einer Glock 17 (einer illegalen, die Seriennummer ist raugekerbt). Zehn Leute sind tot- einschließlich des Täters, der sich selbst umbrachte. Vielleicht hatte er zuvor versucht, gezielt Leute über Facebook anzulocken. Insgesamt wurden 27 Leute verletzt, die meisten jedoch aufgrund verschiedener Panikreaktionen an verschiedenen Orte, vier davon durch Kugeln (drei davon schwer). Das ist erst einmal furchtbar, aber trotzdem nicht die maximal schlimmste Möglichkeit eines Amoklaufes neben einem vollen Einkaufszentrum Freitag abends. Helfen tut das natürlich keinem. Allerdings fände ich eine detaillierte Erklärung von Herrn Andrä nett, ob und wie Vorratsdatenspeicherung diese Tat verhindert hätte. Mal sehen. Die Tote waren alle Münchner, alle bis auf eine Jugendliche zwischen 14-20 Jahren jung. Drei waren zudem kosovarische Staatsbürger.

Der Amokläufer/Attentäter  hatte Literatur über Amokläufe zuhause und stammte aus Maxvorstadt, nicht gerade als sozialer Brennpunkt bekannt, eher durch seine braune Vergangenheit (- AH wohnte 1913/14 dort,  „Braunes Haus“, Parteizentrale der NSDAP befand sich dort, genauso der  „Führerbau“ [inzwischen Musikhochschule], ‚‚Ehrentempel‘‘, Gestapo-Zentral im Wittelsberger Palais [jetzt Bayern LB, der Platz ist wohl verflucht]) und heute durch seine Gestaltung als Akademiker- und Studentenviertel (d.h. hauptsächlich 20-30 jährige Bewohner, viele Einpersonenhaushalte, stärkste Parteien die Grünen,  viele Leute nur zum Arbeiten und Studieren im Stadtviertel. Der Attentäter war von Winnenden inspiriert, von Breivik auch (Attentat vor 5 Jahren), ob er Breiviks Gesinnung teilt, kann aber noch nicht gesagt werden. Er soll: ‚‚Ich bin Deutscher! ‘‘ gerufen haben, aber man kann das trotzdem noch nicht sicher konstatieren. Vermutlich aber war das eher nicht das treibende Motiv, siehe auch Angaben zu Opfer. Der Täter soll depressiv gewesen sein.

Heute fahren die Öffentlichen wieder, nur nicht zur Haltestelle OEZ. Events im Olympiapark wie der Sommernachtstraum wurden abgesagt. Ansonsten entspannt sich die Lage wieder.  Die Polizei hat großartige Arbeit geleistet und sich auch von panischen Leuten nicht aus der Ruhe bringen lassen.  Aber eine Wunde bleibt natürlich bei uns allen zurück.

Social-Media

Wie das immer so ist, war in den social media wie Twitter mal wieder die Hölle los. Manche trauern, zeigen Anteilnahme, andere heucheln diese, wiederum  andere freuen sich, offen oder heimlich, dass man mal am Freitagabend sich nicht die x-te Wiederholung von irgendeiner Serie anschauen muss, sondern sich schön in Rage reden und in einer Mischung aus Angst, Faszination, Ekel, Überlegenheit und Sendungsbewusstsein aus sicherer Entfernung sich echauffieren kann, über ‚‚irrationale Münchner‘‘ (wegen der Fehlalarme), unfähige Polizisten, widersprüchliche Angaben, Verschwörungstheorien usw.

Neben den üblichen Nazikommentaren: Die gehören doch alle vergast, diese Flüchtlinge! , dem typischen ‚‚Diskussionen‘‘ bei Identitären und natürlich auch  radikalen Linken (‚‚das war bestimmt so ‚Strategie der Spannung‘ – USA ist wieder schuld‘‘) gibt es auch viele hilfreiche Ideen wie die Open doors. Allerdings zeigt sich hier mal wieder das Problem der digitalisierten Welt. Die Leute, die wie ich unterwegs waren und mit ihren mobilen Endgeräten, um überhaupt Netz zu bekommen, geschweige denn Mobile Daten, hat das nicht immer geholfen. Nun ja, aber guter Ansatz. Und dann die Mitleidsbekundungen: #miasanminga (Anm. Würde kein Münchner jemals sagen, ungefähr so passend wie ein #altoadigesempre im Vinschgau) Tja. Zum Glück gibt es ja noch den ‚‚Fernsehexperten aus Husum‘‘, der uns rät, den Stachus UND den Karlsplatz zu meiden (für nicht Münchner: Das ist derselbe Platz, offizieller Name Karlsplatz, genannt Stachus) und sich lieber zum Scheideplatz zu begeben (Scheidplatz). RT-Korrespondenten referieren darüber, dass sowas in Russland ja nicht möglich wäre (pathologische Amnesie?) und bei der SPD-NRW bekommt man gar nicht mit, was überhaupt los ist.

Wenn das nicht München ist, was ist es dann? Einfach:  humorvolle ausländische Touristen, mutige Reporter, mitfühlende Shishabarbesitzer.  Filmende Schüler (lebensmüde und/oder sensationsgeil, keine Ahnung), die der Grund dafür sind, dass mein kleiner Bruder die Aufnahmen des Amoklaufs vor der Polizei hatte. Das Bonzentum- ein Klassenkamerad meines Bruders, der sich vom OEZ durch seinen Sicherheitsdienst abholen lässt (auch das). Solidarität und Gelassenheit (es kimmt, wie‘s kimmt), zurückhalten mit Spekulationen (nix gwiss woaß ma ned), aber auch aus Ignoranz. Toleranz gegenüber allen, außer gegen Preiß‘n oder Bauern, die heute noch bayrisch reden. Aber hauptsächlich: Leute, die besorgt sind, traurig, was sonst. Und ein Amoklauf, das auch.

Erstaunlich zu sehen, wie das memento mori zuschlägt, wenn der Tod auf offener Straße mal zuschlägt. Dort, wo man oft einkaufen ist, im McDonalds in dem man gesessen hat. Dort, wo gute Freunde arbeiten und der beste wohnt. Mit der sicheren Gewissheit, dass man das auch selber sein könnte, oder sie.

Wahrscheinlich war das kein böser Bazi, nicht so, wie das Leben in Neapel täglich abläuft, sondern einfach ein Irrer. Aber nichtsdestotrotz, wie lange wird diese Wirkung anhalten? – Kurz. Das ist das eigentlich Traurige.